Attualità
Gesamtschweizerischer Schwimmbadführer für Menschen mit Mobilitätsbehinderung
21.05.2012 - Rechtzeitig zum Start der Badesaison 2012 hat die Behindertenorganisation Procap ihre Online-Datenbank mit den Angaben zur Zugänglichkeit aller öffentlichen Hallen- und Schwimmbäder in der Schweiz vervollständigt. Zusammen mit Nationalrat Christian Lohr und den Verantwortlichen der Gemeinde Horgen wurde die Plattform www.goswim.ch heute im Parkbad «Seerose» an einer Medienorientierung vorgestellt. Fazit: Knapp die Hälfte der über 900 bestehenden Anlagen sind mehr oder minder rollstuhlgerecht ausgestattet.
In der Schweiz gibt es über 300 Hallen- und 700 Freibäder. Diese Sport- und Freizeitanlagen sind gerade auch bei Menschen mit einer Behinderung sehr beliebt. Für viele ist die Bewegung im Wasser eine willkommene Entspannungsmöglichkeit und eine gute Gelegenheit, sich körperlich zu betätigen und etwas für die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden zu tun.
Aus diesem Grund hat die Behindertenorganisation Procap Schweiz vor ein paar Jahren begonnen, die Zugänglichkeit von Hallen- und Freibädern systematisch zu überprüfen. Ziel war es, eine Übersicht für die Betroffenen und deren Angehörige zu schaffen, die Betreiber der Anlagen für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen zu sensibilisieren und Verbesserungen zu erwirken. «Wir sind an den meisten Orten auf viel Bewusstsein und Verständnis gestossen. Und wir konnten feststellen, dass bei Sanierungen und Umbauten die Mängel behoben und die nötige Anpassungen realisiert werden», sagte Hans Frei, Zentralpräsident von Procap Schweiz.
In den letzten Monaten wurde die Überprüfungen der Anlagen nun intensiviert, so dass rechtzeitig auf den Start der Badesaison 2012 die Angaben zur Zugänglichkeit von praktisch allen Frei- und Hallenbäder online unter www.goswim.ch zur Verfügung gestellt werden können. Die Schweiz verfügt nun über einen flächendeckenden Schwimmbadführer für Menschen mit einer Mobilitätsbehinderung.
Eine statistische Auswertung der Erhebungen ergibt nun, dass knapp die Hälfte der bestehenden Anlagen in der Schweiz (53.75 Prozent) mehr oder minder rollstuhlgerecht sind (Note 5 bis 3). Vor allem bei den Hallenbädern besteht grosser Nachholbedarf.
Für den Thurgauer Nationalrat Christian Lohr, der selbst auf einen Elektro-Rollstuhl angewiesen ist, ist das Engagement für zugängliche Badeanstalten aber auch ein wichtiges gesellschaftspolitisches Engagement: «Es braucht die Sensibilisierung für die Bedürfnisse und Anliegen von Menschen mit einem Handicap in unserem Land. In einem politischen Umfeld, in dem wir Betroffene in den wenig differenziert geführten Diskussionen leider allzu oft zu reinen Kostenfaktoren reduziert werden, braucht es klare Grundhaltungen. Menschen mit einer Behinderung mit ihren eigenen Fähigkeiten und Besonderheiten prägen unser farbenreiches Gesamtbild der Gesellschaft mit, sie sind Puzzles des Mosaiks mit vielen ungleichen Teilen.»
Das Parkbad «Seerose» als Beispiel
Daniel Bachofner, Projektleiter von Procap Schweiz, demonstrierte am Beispiel des Parkbades «Seerose» in Horgen, auf was bei der Untersuchung einer Anlage geachtet wird. «Wir überprüfen den gesamten Weg, den jemand von der Haltestelle des öffentlichen Verkehrs oder des Parkplatzes bis ins Schwimmbecken absolviert. Wir schauen also in Garderoben, WCs und Duschen, begutachten Liegewiesen und Zugänge ins Bassin und besuchen auch Restaurants und Kioske.» Alle Details werden Zentimeter genau in die Datenbank übertragen, so dass man aufgrund der Angaben weiss, wie und ob eine Anlage individuell genützt werden kann. Procap prüft die Bäder auf der Grundlage der Norm SIA 500 «Hindernisfreie Bauten» und bewertet sie auf einer Skala von 1 bis 5. Eine Dokumentation mit den Bewertungskriterien kann online heruntergeladen werden. «Uns geht es aber in erster Linie nicht darum, Noten zu verteilen. Wir möchten für jeden Betreiber eine Übersicht erstellen, auf der Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. In diesem Sinne freuen wir uns, wenn etwas geschieht und wir in nächster Zeit möglichst viele Einträge auf der Datenbank mutieren müssen.»
Denise Vielmi, Gemeinderätin von Horgen, schätzt diese Art von konstruktiver Zusammenarbeit. Und: « Nachhaltigkeit – gerade auch beim Bauen – beruht auf den drei Zielen ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Nachhaltigkeit. Für letztere bilden hindernisfreie Bauten und Anlagen einen unerlässlichen Bestandteil.» Diese Vorgabe werde in den Legislaturzielen der Gemeinde weiterhin berücksichtigt. Sie sei deshalb stolz und aber auch dankbar, dass Horgen mit zwei zugänglichen Freibädern in der Datenbank figuriere, so Vielmi weiter.
Gesundheitsförderung im umfassenden Sinn
Der Schwimmbadführer sei ein Projekt, das auf verschiedenen Ebenen eine nachhaltige Wirkung habe, findet Procap-Präsident Hans Frei. Einerseits mache er auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung aufmerksam, andererseits verbessere er gezielt die Möglichkeit von Gleichstellung, Integration und Begegnung. Und schliesslich sei Schwimmen für viele Mobilitätsbehinderte die optimale Art, sich unbeschwert zu bewegen. «Das ist doch Gesundheitsförderung im umfassenden Sinn!», betonte Frei.
Medienmitteilung Procap Schweiz
www.goswim.ch
Ultimo aggiornamento: 10.01.2013
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